geschichte
Heilige + Bekannte Personen
8 verifiziert · Wikimedia Commons · CC-Lizenz
🖼 Bilder
Dieser Artikel stellt bedeutende Êzîdî-Persönlichkeiten aus Aktivismus, Politik, Religion, Wissenschaft, Literatur, Musik und Film vor. Aufgenommen sind nur Personen, deren êzîdîsche Herkunft und Lebensdaten durch verlässliche Quellen belegt sind. Da Êzîden (auch Yeziden oder Jesiden), sunnitische Kurden, Aleviten und Yarsan in Medienberichten häufig verwechselt werden, gilt für jeden Eintrag: im Zweifel weglassen.
Hinweis zur Abgrenzung: Das Mîr-Amt und die religiösen Ämter werden ausführlich im Artikel [Heilige Genealogie] behandelt, die politische Gegenwart im Artikel [Êzîdî-Politik]. Frauen der Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt von [Êzîdî-Frauen], der Genozid von 2014 im Artikel [Genozid 2014], die Musiktradition in [Musik & Dengbêj], die kaukasische Geschichte in [Êzîden in Armenien & Georgien], die deutsche Diaspora in [Êzîden in Deutschland]. Hier stehen die Personen selbst im Mittelpunkt.
1. Aktivismus und Menschenrechte
Nadia Murad (Kurmancî: Nadia Murad Basee Taha; *1993, Kocho/Şingal) ist die international bekannteste Êzîdîn der Gegenwart. Am 15. August 2014 wurde sie vom IS verschleppt und drei Monate in Mossul versklavt, ehe ihr die Flucht gelang. Ab 2015 sagte sie vor dem UN-Sicherheitsrat aus, 2016 wurde sie UNODC-Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden des Menschenhandels und erhielt den Sacharow-Preis sowie den Václav-Havel-Menschenrechtspreis. 2018 wurde ihr gemeinsam mit Denis Mukwege der Friedensnobelpreis verliehen. Ihre Autobiographie The Last Girl (2017, deutsch: Ich bin eure Stimme) wurde ein Weltbestseller; ihre Organisation Nadia’s Initiative (gegr. 2018) arbeitet am Wiederaufbau Şingals. Mehr zu ihrer Rolle: siehe [Êzîdî-Frauen] und [Genozid 2014].
Lamiya Aji Bashar (Kurmancî: Lemya Acî Beşar; *ca. 1998, Kocho/Şingal) wurde wie Nadia Murad 2014 verschleppt. Beim vierten, erfolgreichen Fluchtversuch trat sie auf eine Mine und verlor ein Auge sowie Teile des Gesichts. 2016 würdigte das Europäische Parlament sie gemeinsam mit Murad mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Sie lebt heute in Deutschland (Baden-Württemberg, Sonderkontingent).
Düzen Tekkal (*1978, Hannover) ist eine deutsch-êzîdîsche Journalistin, Filmemacherin und Aktivistin. Sie wuchs als eines von elf Kindern einer êzîdîsch-türkischen Familie auf, berichtete ab 2014 aus den Êzîdî-Gebieten und drehte den Dokumentarfilm Háwar, Meine Reise in den Genozid (2015). Sie gründete die Hilfsorganisation HÁWAR.help (2016) und die Bildungsplattform GermanDream (2019); 2019 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Mehr zur deutschen Diaspora: siehe [Êzîden in Deutschland].
Pari Ibrahim (*1986, Niederlande, Familie aus Şêxan) gründete 2014 die Free Yezidi Foundation (Den Haag), die u. a. ein Frauenzentrum in Khanke (Irak) betreibt, und vertritt êzîdîsche Anliegen regelmäßig bei den Vereinten Nationen.
Murad Ismael (*1985, Şingal) ist Mitgründer von Yazda (2014), der größten internationalen êzîdîschen NGO, sowie der Sinjar Academy. Der in den USA ausgebildete Geophysiker zählt zu den wichtigsten Stimmen der Diaspora; Haider Elias führt Yazda als Präsident seit 2015.
Mirza Dinnayi (Kurmancî: Mîrza Dinnayî; *1973, Şingal) war Berater des irakischen Präsidenten Talabani und gründete Luftbrücke Irak (Air Bridge Iraq), die verletzte Êzîden zur Behandlung nach Deutschland brachte. 2019 erhielt er den Aurora Prize for Awakening Humanity.
Dalal Khairo (*ca. 1995, Şingal) ist eine ehemalige IS-Gefangene, die nach ihrer Flucht zur Zeugin des Genozids vor internationalen Gremien wurde und mit Frauenrechtspreisen ausgezeichnet wurde.
Zu den Überlebenden, die den Genozid international bezeugen, gehören außerdem Salwa Khalaf Rasho und Ekhlas Khudur Bajoo, die durch Auftritte vor UN-Gremien und in internationalen Medien (BBC, Guardian) bekannt wurden, sowie die Aktivistin und Fotografin Adiba Qasim aus der Şingal-Region, über deren Dokumentationsarbeit internationale Medien berichteten.
2. Politik
Irak und Autonome Region Kurdistan
Vian Dakhil (Kurmancî: Vîan Dexîl; *1971, Dohuk) ist seit 2010 Abgeordnete im irakischen Parlament (KDP) und war lange die einzige Êzîdîn dort. Weltbekannt wurde ihre Rede vom 5. August 2014, in der sie unter Tränen das Parlament anflehte, die vom IS eingeschlossenen Êzîden zu retten („Save us! Save us!"). Die Rede, nach der sie am Rednerpult zusammenbrach, erreichte über CNN ein Weltpublikum und trug zur Entscheidung von US-Präsident Obama bei, Luftangriffe und eine Hilfsoperation am Şingal-Berg zu autorisieren. Am 12. August 2014 überlebte sie den Absturz eines Hilfshubschraubers mit Beinbruch. 2014 erhielt sie den Anna-Politkowskaja-Preis. Mehr: siehe [Êzîdî-Frauen] und [Êzîdî-Politik].
Khairy Bozani (Kurmancî: Xeyrî Bozanî) ist Direktor für êzîdîsche Angelegenheiten im KRG-Ministerium für religiöse Stiftungen und eine zentrale Stimme bei Themen wie den vermissten Êzîden (ca. 2.600, Stand 2025) und der Identifizierung von Massengrab-Opfern.
Mahma Khalil (Kurmancî: Mehma Xelîl), irakischer Abgeordneter und früherer Bürgermeister von Şingal (Sinjar), vertritt die êzîdîsche Gemeinschaft in der irakischen Politik.
Deutschland
Feleknas Uca (*1976, Celle) wurde als Tochter êzîdîscher Eltern aus der Türkei in Niedersachsen geboren. Von 1999 bis 2009 war sie Mitglied des Europäischen Parlaments (PDS/Die Linke), die erste Êzîdîn im EU-Parlament. 2015 wurde sie für die HDP (Provinz Diyarbakır) in die Große Nationalversammlung der Türkei gewählt.
Ali Atalan (Kurmancî: Elî Atalan) ist ein kurdisch-deutscher Politiker êzîdîschen Glaubens. Er war für Die Linke Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen und gehörte zeitweise als Vertreter der HDP auch dem türkischen Parlament an.
Armenien
Rustam Bakoyan (Kurmancî: Rustem Bakoyan) zog als Abgeordneter in die Nationalversammlung Armeniens ein und gilt als wichtiger Repräsentant der größten ethnischen Minderheit des Landes. Auf sein Betreiben befasste sich das Parlament mit der völkerrechtlichen Einordnung des Genozids von 2014; am 16. Januar 2018 erkannte die Nationalversammlung Armeniens den IS-Völkermord an den Êzîden einstimmig (91 Ja-Stimmen) als Genozid an und war damit eines der ersten Länder weltweit, das diesen Schritt vollzog. Mehr zur kaukasischen Gemeinschaft: siehe [Êzîden in Armenien & Georgien].
3. Religiöse Oberhäupter der Gegenwart
Mîr Hazim Tahsin Said Beg (*1. Mai 1963, Ba’adre) ist seit dem 27. Juli 2019 Mîr (weltliches und geistliches Oberhaupt) aller Êzîden; er wurde im Lalîş-Tempel vom Obersten Geistlichen Rat vereidigt. Sein Vater und Vorgänger Mîr Tahsîn Saîd Beg (1933–2019) hatte das Amt seit 1944, also 75 Jahre, inne und rief 2014 maßgeblich zum Schutz der Êzîden auf.
Xurto Hecî Îsmaîl (Baba Şêx) (1933–2020) war von 1995 bis zu seinem Tod oberster geistlicher Würdenträger (Baba Şêx). Sein Nachfolger wurde im November 2020 Şêx Alî Ilyas. Einzelheiten zu den religiösen Ämtern und ihrer Stellung in der Kastenordnung: siehe [Heilige Genealogie].
4. Historische religiöse Gestalten
Şêx Adî ibn Musafir (ca. 1075–1162) ist die zentrale historische Gestalt der êzîdîschen Religion; sein Grab in Lalîş ist der heiligste Ort der Êzîden. Şêx Hesen (Sheikh Hasan ibn Adi, 1195–1254) führte die Gemeinschaft im 13. Jahrhundert zu ihrer ersten Blüte; unter ihm wurden grundlegende Institutionen und Regeln der êzîdîschen Gesellschaft festgelegt, ehe er 1254 auf Befehl des Mossuler Atabegs Badr al-Dīn Luʾluʾ hingerichtet wurde. Êzdîna Mîr (11./12. Jahrhundert) gilt der Überlieferung nach als religiöses Oberhaupt vor Şêx Adî und als Stammvater der Şemsanî-Şêx-Linien (Vater von Şêx Şems, Fexredîn, Sicadîn und Nasirdîn). Ausführlich: siehe [Heilige Genealogie].
5. Militärische und historische Anführer
Êzîdî Mîrza (Kurmancî: Êzdî Mîrza, auch Mîrza Pasha / Daseni Mîrza Beg; 1600–1651) stammte aus einer Şêx-Familie der Qatanî-Linie in Başîqa und wurde mit 25 Jahren Oberhaupt der Başîqa-Bahzanê-Gemeinde. Im osmanisch-safawidischen Krieg stieg er zum obersten Befehlshaber der Êzîden auf und wurde 1649 Gouverneur von Mossul: das höchste Amt, das je ein Êzîde im Osmanischen Reich bekleidete. Er fiel 1651 und lebt bis heute in êzîdîschen Heldenliedern und Sagen fort.
Hemoyê Şero (Hammo Schero; 1850–1935) war Stammesführer der Feqîr-Gruppe in Şingal. Während des Völkermords an den Armeniern 1915/16 gewährte er rund 20.000 armenischen Flüchtlingen Schutz auf dem Şingal-Berg, organisierte deren Verteidigung gegen osmanische und verbündete Verbände und kämpfte, zeitweise mit britischer Unterstützung, bis zur Eingliederung Şingals in den irakischen Staat 1919. Er gilt als Symbolfigur der êzîdîsch-armenischen Schicksalsgemeinschaft. Mehr: siehe [Êzîden in Armenien & Georgien].
Cangîr Axa (Jangir Agha; ca. 1874–1943) war eine führende militärische und gesellschaftliche Persönlichkeit der Êzîden in Armenien. 1918 unterstützte er mit einer êzîdîschen Reiterschwadron von rund 300 Mann die armenischen Streitkräfte in den Schlachten von Sardarabad und Baş-Aparan gegen die einrückenden osmanischen Truppen und gilt als Nationalheld der armenischen Êzîden. 1938 während des Großen Terrors verhaftet, starb er 1943 in sowjetischer Haft (Saratow) und wurde später rehabilitiert. Mehr: siehe [Êzîden in Armenien & Georgien].
Heydar Şeşo (Kurmancî: Heyder Şeşo) baute nach 2014 in Şingal êzîdîsche Selbstverteidigungseinheiten (HPÊ) auf, die den Schutz der Heimatregion gegen den IS organisierten.
6. Êzîdîsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Khanna Omarkhali (Kurmancî: Xanna Omerxalî; *1981) ist Religions- und Sprachwissenschaftlerin êzîdîscher Herkunft (Göttingen/FU Berlin). Ihr Standardwerk The Yezidi Religious Textual Tradition: From Oral to Written (2017) dokumentiert den Übergang der êzîdîschen Überlieferung von der mündlichen zur schriftlichen Form.
Khalil Jindy Rashow (Kurmancî: Xelîl Cindî Reşo) ist ein aus dem Irak stammender êzîdîscher Gelehrter und Co-Autor (mit Philip Kreyenbroek) der Qewl-Edition God and Sheikh Adi are Perfect (2005). Mehr zu den Qewls: siehe [Heilige Genealogie].
Pîr Khidir Sileman (Kurmancî: Pîr Xidir Silêman; *1955, Şêxan) leitet das Lalîş-Zentrum in Duhok und hat zahlreiche Bücher zur êzîdîschen Religion auf Arabisch und Kurmancî verfasst.
Jan Ilhan Kizilhan (*1966) ist Psychologe und Traumatherapeut êzîdîscher Herkunft (Hochschule Furtwangen). Er leitete wissenschaftlich das baden-württembergische Sonderkontingent 2015, mit dem rund 1.100 êzîdîsche Frauen und Kinder aus Şingal nach Deutschland geholt wurden; ausgezeichnet u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Mehr: siehe [Êzîden in Deutschland].
Qanatê Kurdo (Qanate Kurdo, Qenatê Kurdoêv; 1909–1985) war ein sowjetischer Sprachwissenschaftler êzîdîscher Herkunft (Stamm der Şerqîyan) und einer der bedeutendsten Kurdologen des 20. Jahrhunderts. Er begründete an der Universität Leningrad die akademische Kurdologie, verfasste 1957 die erste umfassende Grammatik des Kurmancî (auf Russisch) und erstellte kurdisch-russische Wörterbücher. Über 100 Monographien und Aufsätze gehen auf ihn zurück.
Telim Tolan ist Mitbegründer der Êzîdîschen Akademie Hannover und tritt mit Vorträgen und Aufsätzen zur êzîdîschen Identität in Deutschland hervor.
7. Die sowjetisch-armenische Gelehrten- und Literaturtradition
In Sowjet-Armenien entstand im 20. Jahrhundert ein bedeutendes êzîdîsches Geistesleben; viele Werke erschienen über die kurdische Redaktion von Radio Eriwan und die Zeitung Rya T’eze:
Erebê Şemo (Arab Shamilov / Arab Shamo; 1897–1978) schrieb mit Şivanê Kurmanca („Der kurdische Hirte", erschienen 1931, teils auch 1935 datiert) den ersten Roman in Kurmancî überhaupt; weitere Werke sind Berbang (1958) und Jiyana Bextewar. Bereits 1928 hatte er das erste in lateinischer Schrift gedruckte kurdische Lehrbuch (Xwe bi Xwe Hînbûna Kurmancî) mitverfasst. 1937 wurde er im Großen Terror verbannt und durfte erst 1956 nach Armenien zurückkehren.
Heciyê Cindî (1908–1990), Folklorist und Linguist êzîdîscher Herkunft in Eriwan, wurde 1941 mit der Umstellung des kurdischen Alphabets vom Lateinischen auf das Kyrillische beauftragt; sein 40-Buchstaben-Kyrillisch-Alphabet wurde 1946 approbiert und im Schulwesen Armeniens, Georgiens und mehrerer Sowjetrepubliken verwendet (siehe [Alphabet-Historie]). Daneben publizierte er umfangreiche Folkloresammlungen.
Casimê Celîl (1908–1998) sammelte und edierte êzîdîsch-kurdische Folklore; seine Kinder Ordîxanê Celîl (1932–2007), Celîlê Celîl (*1936, Historiker und Kurdologe) und Cemîla Celîl setzten die Arbeit fort (Familienarchiv „Cira" in Wien).
Tosinê Reşîd (*1941, Armenien) ist Folklorist und Schriftsteller der êzîdîschen Oraltradition (heute Australien). Eskerê Boyîk (*1941, Armenien) hat mehrere Gedichtbände in Kurmancî veröffentlicht und lebt seit den 1990er Jahren in Deutschland. Emerîkê Serdar (1935–2018) war Journalist, Schriftsteller und Übersetzer der kurdischen Redaktion in Eriwan. Têmûrê Xelîl (*1949) ist Journalist und Übersetzer, der das Werk seines Vaters Casimê Celîl fortführt.
Aziz Tamoyan (1933–2021) führte ab 1989 die Nationale Union der Êzîden in Armenien (ab 1997 weltweit), war Co-Autor êzîdîscher Schulbücher und prägte über drei Jahrzehnte die dortige Debatte um die êzîdîsche Identität. Mehr: siehe [Êzîden in Armenien & Georgien].
8. Musik und Dengbêj-Tradition
Karapetê Xaço (eigentlich Karapet Xaçaturyan; ca. 1900–2005) war einer der größten Dengbêj-Sänger des 20. Jahrhunderts und über Jahrzehnte Stimme der kurdischen Redaktion von Radio Eriwan. Er war kein Êzîde, sondern ein armenischer Überlebender des Völkermords von 1915, der durch seine Beherrschung des Kurmancî und seine Gesangskunst überlebte; weil er das êzîdîsch-kurdische Liedgut Armeniens bewahrte und prägte, ist er aus der Geschichte der kaukasischen Êzîden nicht wegzudenken. Lieder wie Ay lo mîro und Lê dayikê sind bis heute fester Teil des Repertoires. Mehr zur Musiktradition: siehe [Musik & Dengbêj].
Eine ausführliche Darstellung der êzîdîschen Qewwal-, Stran- und Dengbêj-Tradition mit weiteren Künstlerinnen und Künstlern bietet der Artikel [Musik & Dengbêj].
9. Film und Literatur der Diaspora
Soleen Yusef (*1987, Dohuk) ist eine êzîdî-deutsche Filmemacherin; ihr Spielfilm Haus ohne Dach (2016) gewann internationale Preise. Hussein Hassan drehte mit Reseba, The Dark Wind (2016) einen der ersten Spielfilme über den Genozid von 2014. Hogir Hirori (*1980, Dohuk), kurdisch-êzîdîscher Regisseur in Schweden, gewann mit der Dokumentation Sabaya (2021) den Regiepreis des Sundance Festivals; zuvor entstand The Deminer (2017). Der êzîdî-deutsche Produzent Mehmet Aktaş (Mîtos Film, Berlin) hat mehrere dieser Produktionen ermöglicht.
Ronya Othmann (*1993, München) ist eine deutsch-êzîdîsche Schriftstellerin und Journalistin (Vater kurdisch-êzîdîsch). Ein Auszug aus ihrem Roman Vierundsiebzig, der Titel verweist auf die 74 Fermane (Verfolgungen) der Êzîden, gewann 2019 den Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb; ihr Werk kreist um Trauma, Flucht und den Genozid von 2014. Mehr zur deutschen Diaspora: siehe [Êzîden in Deutschland].
Eine vollständige Filmübersicht bietet der Artikel [Filme & Dokus].
10. Sport
Roman Amoyan (*3. September 1983, Eriwan) ist ein armenischer Ringer (griechisch-römisch) êzîdîscher Herkunft. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gewann er Bronze (bis 55 kg); zudem ist er zweifacher Europameister und mehrfacher WM-Medaillengewinner. Er gilt als bekanntester êzîdîscher Sportler der Gegenwart.
11. Forschung über Êzîden (nicht-êzîdîsche Wissenschaftler)
Die wissenschaftliche Erforschung der êzîdîschen Religion und Kultur ist eng mit folgenden Namen verbunden: Philip G. Kreyenbroek (Göttingen; Yezidism, Its Background, Observances and Textual Tradition, 1995), Christine Allison (Exeter; The Yezidi Oral Tradition in Iraqi Kurdistan, 2001), Birgül Açıkyıldız (The Yezidis: The History of a Community, Culture and Religion, 2010), Eszter Spät (Late Antique Motifs in Yezidi Oral Tradition, 2010), Sebastian Maisel (Leipzig; Yezidis in Syria, 2017), Garnik Asatrian und Victoria Arakelova (Eriwan), Artur Rodziewicz (Warschau; Studien zu Êzîdentum und Hellenismus), Joanna Bocheńska (Krakau), Estelle Amy de la Bretèque (CNRS; êzîdîsche Klagelieder), Andreas Ackermann und Irene Dulz (Die Yeziden im Irak) sowie als historischer Pionier Roger Lescot (Enquête sur les Yézidis de Syrie et du Djebel Sindjar, 1938).
12. Unterstützerinnen und Unterstützer (nicht êzîdîsch)
Einige nicht-êzîdîsche Persönlichkeiten haben sich besonders um die Gemeinschaft verdient gemacht: die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney (Vertretung Nadia Murads und der Genozid-Überlebenden), der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, die kurdisch-schwedische Ärztin Nemam Ghafouri (1969–2021, Gründerin von „Joint Help for Kurdistan", gestorben im Irak-Einsatz an COVID-19), Naomi Kikoler (US Holocaust Memorial Museum, Genozid-Dokumentation) und Lord David Alton (britisches Oberhaus, Anerkennungs-Initiativen).
Quellen (Auswahl)
Aktivismus & Friedensnobelpreis
- Nobelprize.org: The Nobel Peace Prize 2018: Nadia Murad
- Europäisches Parlament: Sacharow-Preis 2016 (Nadia Murad / Lamiya Aji Bashar)
- Aurora Prize: Mirza Dinnayi: 2019 Aurora Prize Laureate
Politik
- Wikipedia: Vian Dakhil; MEMRI TV: Vian-Dakhil-Rede im irakischen Parlament, 05.08.2014
- Wikipedia: Feleknas Uca, Ali Atalan
- ANCA: Ethnic Minorities Win Seats in Armenian Parliament
- France 24, 16.01.2018: Armenia recognises genocide of Yazidis in Iraq; Armenian Weekly, 16.01.2018
Religiöse Führung
- Wikipedia/Encyclopaedia Iranica: Hazim Tahsin Beg, Tahseen Said, „Yazidis i. General" (iranicaonline.org)
- KirkukNow / The New Arab: Inthronisation Mîr Hazim, Lalîş, 27.07.2019
Historische & militärische Gestalten
- Wikipedia: Sheikh Hasan ibn Sheikh Adi II, Ezdina Mir
- Wikipedia: Ezidi Mirza (1600–1651, Gouverneur von Mossul 1649)
- Wikipedia: Hemoye Shero; Armenian Weekly, 26.03.2025: Yazidi efforts to protect Armenians
- Wikipedia: Jangir Agha, Battle of Sardarabad
- Wikipedia: Haydar Shesho
Wissenschaft & Literatur
- Verlage/Werke: Harrassowitz (Omarkhali 2017; Kreyenbroek/Rashow 2005), I.B. Tauris (Açıkyıldız 2010), Curzon (Allison 2001), Gorgias (Spät 2010), Lexington (Maisel 2017)
- Wikipedia/Encyclopaedia Iranica: Heciyê Cindî, Arab Shamilov (Erebê Şemo), Qanate Kurdo, KURDOEV, QENĀTĒ
- Internationales Literaturfestival Berlin: Ronya Othmann
Armenisch-kaukasische Tradition & Musik
- Wikipedia: Aziz Tamoyan (1933–2021), Karapetê Xaço
Sport
- Wikipedia: Roman Amoyan (Olympia-Bronze 2008)
Film
- Sundance Institute / Pressearchive zu Sabaya (2021), Haus ohne Dach (2016), Reseba (2016)
Organisationen
- nadiasinitiative.org, yazda.org, freeyezidi.org, hawar.help, auroraprize.com, zentralrat-eziden.com
- Übersicht: Wikipedia List of Yazidi people
Redaktioneller Hinweis: Frühere Fassungen dieses Artikels enthielten unverifizierte Einzelpersonen; diese wurden entfernt. Neue Einträge nur mit mindestens einer unabhängig prüfbaren Quelle (Wikipedia + Primärquelle, Encyclopaedia Iranica, Preis-Archive o. ä.). Karapetê Xaço ist als armenischer Dengbêj ausdrücklich nicht als Êzîde geführt, sondern als prägende Figur der kaukasisch-kurdischen Musiktradition. Lebensdaten gemäß
WIKI-ZAHLEN-KANON.md(Mîr-Daten, Şêx Hesen 1254).
Verwandte Inhalte
News
Kommentare
Noch keine Kommentare — sei der Erste.